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Sonntag, 30. September 2012

Elternteile

Samstagabend: Ich versuche circa 10 mal meinen Vater über das Haustelefon meiner Schwester zu erreichen. Jedes mal springt der Anrufbeantworter an.

Sonntagmorgen: Ich versuche noch einmal, ihn zu erreichen. Diesmal allerdings mit unterdrückter Nummer.

'Hallo?'
'Hallo, hier ist *denkt euch einen Namen für mich aus*'

Schweigen

'Ich habe heute keine Zeit.'

Aufgelegt.


Das ist das Einzigste, was ich von meinem Vater zu hören bekam.
In diesem eiskalten Ton, der einem das Herz gefrieren lässt.

Danke, darauf hätte ich auch verzichten können.

Freitag, 28. September 2012

Wochenende

So, morgen gehts los.
Um halb 11 bin ich in meiner Wohnung und habe dann eine halbe Stunde Zeit um meine Garderobe hier ein bisschen zu erweitern.
Dann hole ich meine Schwester vom Bahnhof ab und wir gehen Sushi essen- mit ihrem Freund und meiner Besten. Ich muss den Rhytmus von hier auferhalten, deshalb gibt es auch nur Frühstück, Mittag- und Abendessen für mich.

Ich weiß jetzt schon das ich es nicht durchhalten werde.

Ich will mir eigentlich Mühe geben, kein Fressgelage zu veranstalten, aber ich WILL ES SO SEHR...
Entweder ich bin stark und bitte meine Schwester darum, mich vom Essen abzuhalten, oder ich bin schwach und versuche es gar nicht erst.

Und meinen Vater muss ich auch noch anrufen, danach werde ich fressen, ich weiß es einfach.

Ich bin gespannt, wie es ausgehen wird.
Und ich habe solche Angst...



Donnerstag, 27. September 2012

Endlich frei

Heute -100g gehabt, wie auch immer ich das geschafft habe nach dieser katastrophalen Fresswoche. Okay, auch ohne meine schokoladigen Ausrutscher zwischendurch würde ich bei den Portionsgrößen hier von Fresswoche sprechen, aber so erst recht.
Ich kann es immernoch nicht glauben, dass ich nicht zugenommen habe.
Es ist erstaunlich, wieviel man in Wirklichkeit essen kann. Wirklich, ich kann das immernoch nicht fassen.

Jedenfalls bin ich heute in die nächste Phase gekommen, d.h. ich darf jetzt das Klinikgelände verlassen und am Wochenende endlich für eine Nach nach Hause. Ich freue mich aber nicht wirklich.

Nach jeder Essvisite habe ich das Gefühl, nicht verstanden zu werden. Dort werden mir Dinge gesagt wie 'Wenn Sie drei geregelte Mahlzeiten essen, bekommen Sie auch keine Heißhungeranfälle.' oder 'Wir könnten Ihre Portionen vergrößern, damit sie ein Sättigungsgefühl empfinden können.' und 'Aber wieso haben sie Heißhunger, wenn sie Ihre Mahlzeiten essen?'

Ich fühle mich einfach gänzlich unverstanden und frage mich inzwischen, ob ein Klinikwechsel eine Lösung wäre. Mit dem Essen geht es wieder bergab, ich schaffe es nicht mehr, mich zu kontrollieren. Wir Esspatienten bekommen auch keine eigene Körpertherapie, um unsere Selbstwahrnehmung zu verbessern, was ich sehr wichtig fände. Und auch Ernährungsberatung erfolgt hier so gut wie gar nicht.
Ich habe solche Angst das ich hier rauskomme und keinen Schritt weiter bin als vorher, was das Essen angeht...

Mal sehen, was sich noch ergibt.

Bleibt stark ihr Lieben und danke für eure Unterstützung ♥

Dienstag, 25. September 2012

Die Waage

Diese Tage, an denen ich die Augen aufschlug und meinen ersten Gedanken des Tages der Waage schenkte.
Ich schälte mich aus der kuschelig warmen Bettdecke und setzt mich erstmal hin, bevor ich mich traute, aufzustehen.
Die Beine schmerzten, als ich sie belastete und mir wurde schwarz vor Augen.
Ich schwankte blind ins Badezimmer und setzte mich auf die Fliesen, bis ich wieder sehen konnte.
Vor mir meine beste Freundin, schlimmste Feindin.
Sie ließ mich euphorisch werden, in höchsten Glücksgefühlen schwelgen und redete mir meinen Körper schön.
Aber dann fing ich an nachlässig zu werden und konnte ihr nicht mehr geben, was sie forderte.
Deshalb schenkte sie mir Selbsthass, ließ meine Tage grau werden und einsam.

Auch hier ist der Wiegetag der Mittelpunkt meiner Woche, ich habe eine lächerlich große Angst vor jedem Donnerstag.



Wie kann man einem Gegenstand so viel Macht verleihen?



Vielleicht werde ich die Kraft finden, meine Waage wegzugeben, wenn ich wieder zu Hause bin.
Aber will ich das auch wirklich?




Sonntag, 23. September 2012

Walroß

Gestern habe ich mir in der Cafeteria eine Packung Kekse gekauft. Die Hälfte davon war gestern Abend schon weg, die andere Hälfte habe ich gerade eben gefressen.
500g. 100g haben 468 kcal. Über tausend Kalorien pro Tag zu viel.

Und ich darf hier ja nichtmal Mahlzeiten ausfallen lassen. Ich krieg den Kram ja immer direkt vor meine Nase serviert, ich habe nicht mehr die Kraft dazu, es dann stehen zu lassen.
Ich will nicht die 60 erreichen, mein größter Alptraum überhaupt. Aber jetzt habe ich schon diesen Keksfehler gemacht und kann es nicht mehr rückgängig machen.


Plan:
- Morgens gibt es keinen Kakao mehr
- Jeden Tag muss ich mindestens 1,5 l Wasser zu mir nehmen (das ist nicht viel, ich weiß, aber ich habe Probleme mit dem Trinken)
- Dazu gibt es 1 Tasse Tee oder Kaffee pro Tag, auch wenn ich das Zeug nicht ausstehen kann
- Der Salat und die Suppe beim Mittagessen gehen in die Küche zurück
- Der Aufzug wird ab sofort wieder gemieden. Meine Güte bin ich nachlässig geworden!
- Die zwei Stunden täglich, die ich draußen verbringen darf, werden zum Spazieren genutzt
- Tägliche Kraftübungen auf dem Zimmer sind ab sofort Pflicht

Meine erlaubte Spannweite liegt zwischen 57 und 61 Kilo. Mehr Gewicht herschummeln geht immer, aber Gewicht wegschummeln ist nicht möglich. Das sollte ein weiteres Argument sein, nicht zuzunehmen.

Außerdem werde ich auf meinen Therapieplan ab jetzt alles aufschreiben, was ich täglich so zu tun habe und wann. Mindestens eine Stunde lernen, Sport und rausgehen lässt sich auch einplanen. Ich muss mich nur exakt an meinen Plan halten, dann wird das auch wieder.
Keine 60 Kilo. Niemals.

Freitag, 21. September 2012

Nervenzusammenbruch whatever?

Ich liege auf der flauschigen, hellblauen Decke und versuche, den Entspannungsübungen zu folgen. 'Spannen Sie ihre Arme an. Spannung halten... Und wieder locker lassen. Spüren Sie das angenehme Gefühl der Entspannung...'
Da ist aber keine Entspannung. In mir ist nur Anspannung, ich fühle mich wie eine tickende Zeitbombe. Und die Übung hat erst angefangen. Ich muss noch mindestens 10 Minuten ruhig auf meiner Decke liegen bleiben.
Ich gebe das Entspannen auf und wackle ungeduldig mit den Füßen. Spanne meinen Bauch so fest an, wie ich kann. Das ekelhafte Gefühl in mir wächst immer weiter.
Ich kratze leicht an meinen Händen herum, beginne, mir die Haare zu raufen, werde immer unruhiger.

Als es endlich vorbei ist renne ich die Treppen hinauf, auch wenn ich das eigentlich nicht darf. Ich warte, bis eine Pflegerin kommt. Leider kommen erstmal die Tränen.
Sie bittet mich, in meinem Zimmer zu warten.
Ich werfe mich auf mein Bett, lasse die Tränen laufen. Das Gefühl wird unerträglich. Ich kratze meine Arme, spüre nichts. Bin wie vernebelt.
Die Pflegerin kommt endlich rein, ich versuche, ihr zu erklären, dass ich nicht weiß, was ich tun soll. Ich habe Angst, zu zerplatzen.
Sie legt mir eine Hand auf den Rücken, spricht leise mit mir, bis ich sie irgendwann spüren kann. Bis ich meine blutenden Arme spüren kann.
Ich bin zurück.

Und ich weiß nichtmal, wieso dieser Zustand wiedergekommen ist. Ich hatte ihn so lange nicht mehr.

Es ist alles so schwer...

Mittwoch, 19. September 2012

?!

Ist ja nicht so, als hätte ich gerade eine meiner Mini-Klinik-FAs gehabt.
Ist ja nicht so, als wäre morgen Wiegetag.
Ist ja nicht so, als wäre ich ein fettes Schwein.

Ich will nach Hause.



Freitag, 14. September 2012

Schokolade, mein größter Feind

Hallo ihr Lieben :)

Momentan läuft es richtig gut. Ich hatte nur einen kleinen Ausrutscher:
Seit ich hier überhaupt keine Süßigkeiten mehr essen darf, also keine Schokolade oder Kuchen etc, habe ich einen kontinuierlichen Heißhunger darauf.
Vor allem, weil meine Mitpatienten oft Kuchen oder Pralinen essen und ich kann ja nicht ununterbrochen in meinem Zimmer sitzen um das nicht mitanschauen zu müssen.
Bevor ich hier war hatte ich schließlich dauernd Essanfälle mit dem Kram, es ist nicht so einfach, damit von heute auf morgen aufzuhören, wenn man es noch dauernd um sich herum hat.

Jedenfalls habe ich mir eine einzige Tafel Rittersport gegönnt (innerhalb von 2 Minuten und ohne irgendwas davon zu schmecken selbstverständlich).
Allerdings habe ich keine Verwarnung dafür bekommen. Ich bin immerhin schon zweieinhalb Wochen hier und das war mein einziger Regelverstoß bisher. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz muss ich zugeben ;)

Meine Mitpatienten sind toll, inzwischen kann ich auch wieder richtig schlafen und ich fühle mich sehr wohl hier. Außerdem habe ich schon eine Menge über mich gelernt.


Ich bin wirklich froh, dass ich diese Erfahrung machen darf und glaube, dass ich schon in einem großen Veränderungsprozess stecke, der mir Hoffnung schenkt.

Ich hoffe auch, dass es euch gut geht.
Danke für eure Rückmeldungen, sie freuen mich immer wieder.

Sonntag, 9. September 2012

Sandmann, wo bist du?

Hallo ihr lieben.

Momentan ist es verdammt schwer hier, ich habe dauernd den Drang zu essen, aber ich darf ja nicht.
Später werde ich zur Cafeteria gehen und mich mit Schokolade eindecken, das kann ich euch schonmal sicher sagen, haha :D
Die letzten zwei Tage waren grauenvoll was das angeht, ich war dauernd unter Strom und hab gedacht ich renn gleich die Wände hoch. Aber ich bin stark geblieben und habe mir nichts gekauft.
Jetzt ist allerdings ein neues Problem aufgetaucht:

Meine Zimmernachbarin ist total lieb und ich mag sie gerne, aber ich kann nicht mehr schlafen seit sie da ist. Tagsüber kann ich einschlafen wo und wann ich will, aber nachts überhaupt nicht. Da brauche ich absolute Ruhe. Und die hab ich jetzt einfach nicht mehr.
Die Pflegerinnen wollen nicht, dass ich immer im Aufenthaltsraum schlafe, aber was soll ich denn machen? Heute Nacht lag ich wieder 2 Stunden wach bis ich dann irgendwann so genervt war, dass ich mich vor den Fernseher gesetzt habe.
Oropax helfen auch nichts.
 Das kann so echt nicht weitergehen, vor allem, wenn die Woche wieder anfängt, denn dann bin ich dauermüde und brauche meinen Schlaf.


Ich hab übrigens 400g abgenommen, darf ich ja eigentlich nicht. Aber diese 59 Kilo sind halt auch nicht mein Normalgewicht, was erwarten die denn. Ich werde mich jetzt sicher nicht extra vollstopfen, um sie zu halten.
Was ich so täglich zu mir nehme:

Frühstück: 1 Vollkornbrötchen mit Marmelade oder Käse

Mittagessen: 1 Hauptgericht (da gibt es immer eine Auswahl von drei Gerichten, ich esse meistens vegetarisch) und Nachtisch - dazu gibt es noch Suppe und Salat, aber die esse ich nur sehr selten.

Abendessen: 2 Scheiben Vollkornbrot mit Käse, oder was es sonst so gibt, z.b. Wurstsalat oder Obst

Spätmahlzeit (nur, wenn ich Lust habe): 1 Fruchtjoghurt


Okay, so viel esse ich täglich und trotzdem habe ich 400g verloren. Hallo? Was ist gerade mit mir los? Hoffentlich geht das so weiter. :D



Tut mir Leid, dass ich dauernd so verwirrt schreibe.

Mittwoch, 5. September 2012

Väter

Ich weiß nicht, was mit meinem Vater passiert ist.
Meine Schwester erzählt mir Geschichten aus unserer Kindheit, wo er noch nett und liebevoll war. Der beste Papa der Welt, sagt sie.
Ich kann mich daran nicht mehr erinnern.

Alles was ich kenne, ist der Vater von heute.
Bei dem ich jedes Wort überdenken muss, bevor ich es ausspreche. Bei dem jede Geste als schlecht oder unangemessen gewertet werden kann. Bei dem ich jedes Mal auf heißen Kohlen sitze, wenn ich ihn besuche.
Der mir gerade droht, den Unterhalt zu verweigern.

Wie soll man herausfinden, ob man geliebt wird, wenn man immer nur das Gegenteil gezeigt bekommt?


Ich vermisse den Austausch mit euch, aber ich kann einfach nicht so oft online sein, tut mir Leid :(

Ich hoffe euch gehts gut ♥

Samstag, 1. September 2012

Kleiner Post zwischendurch

Samstags ist es hier nicht besonders spektakulär.
Es nervt mich wirklich extrem, dass ich das Gelände nicht verlassen und auch keinen Sport machen darf. Das fehlt mir. Außerdem weiß ich immernoch nicht, was ich mit meiner Schwester machen soll, wenn sie mich morgen besuchen kommt. Ich kann ihr ja gar nichts bieten.

Mit dem Essen läuft es ganz okay, ich habe allerdings oft Probleme zu essen, weil ich traurig oder aufgewühlt von den Therapien bin und muss dann leider trotzdem zu den festen Zeiten essen. Das ist ganz schön schwer und oft wandelt sich dann ein nicht-essen-wollen während der gezwungenen Mahlzeit in den Wunsch einer Essattacke um. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich bald eine bekommen werde, ich muss wirklich jeden Tag kämpfen um nicht nachzugeben. Aber ich will nicht sofort am Anfang versagen und will auch nicht rausgeschmissen werden. Wobei es schon eine gewisse Kulanz gibt.

Die Fragebögen sind echt hart und stressen mich gerade ziemlich. Außerdem bin ich dauernd müde, heute habe ich etwa 4 Stunden geschlafen, tagsüber.

Aber langsam fühle ich mich schon zuhause.

Ich würde gerne öfter bloggen, das Problem ist nur, dass man eigentlich so gut wie nichts an die Öffentlichkeit geben darf und daran möchte ich mich auch halten.
Ich schreibe euch einfach hin und wieder :)

:*