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Donnerstag, 29. November 2012

Erklärung (nicht beim Essen lesen) :D



Ich sitze im Bus, völlig fertig vom Fitness und freue mich nur noch auf mein Abendessen.
Plötzlich fängt auf dem Sitz hinter mir eine Frau an zu husten. Sie hört nicht mehr auf und es wird immer schlimmer.
Ich spüre, wie Hitze in mir hochsteigt, wie ich die feinen Härchen auf meinen Armen aufstellen, wie meine Lungen sich zusammenschnüren. Ich will weglaufen, werde panisch.

Klingt komisch, oder?

Erklärt aber einiges.

Als ich kleiner war hatte ich jeden Abend vorm Einschlafen starken Schüttelfrost und Übelkeit. Ich musste mich jede Nacht anstrengen, mich nicht zu übergeben.
Wenn meine Mutter zu viel getrunken hatte bin ich selbst im Winter auf den Balkon unserer Wohnung gerannt, um sie nicht auf der Toilette zu hören.
Ich habe mich erst einmal von Alkohol übergeben müssen, weil ich immer alles versuche, damit das nicht passiert.

Ich habe einfach riesige Angst davor. Schon wenn jemand etwas stärker hustet kriege ich Angst.

Und das erklärt auch, weshalb ich nicht den weit verbreiteten Vorstellungen meiner Essstörung entspreche. Ich habe es schon oft nach Essanfällen versucht, das stimmt. Aber ich hatte immer zu viel Angst.

Tut mir Leid, dass ich so ein ekliges Thema anschneide, aber es nervt einfach, nie ernst genommen zu werden, weil man nicht dem entspricht, was die Leute so erzählen.



Mittwoch, 28. November 2012

Fitnessfrust

Kurzer Post wegen Deprimiertheit.

Vorhin war ich das erste Mal wieder im Fitnessstudio. Ich war eine Stunde zu früh für den Bauchkurs, in den ich früher immer gegangen bin und habe deshalb eine halbe Stunde am Crosstrainer verbracht (-121 kcal) und den Rest der Zeit mit Krafttraining.
Dann war es soweit und ich traute mich ganz alleine, ohne meine Schwester bei mir, in den Raum hinein. Ich schaute mich sofort um und war zum Glück nicht die Dickste, was mir schon mal etwas Motivation gab.

ABER.

Ich habe KEINE EINZIGE Übung durchgehalten.
KEINE.
Ich habe mich so geschämt. Am Liebsten hätte ich gleich in der Umkleidekabine losgeheult, aber da waren ja auch die ganzen anderen Teilnehmerinnen des Kurses.

Ihr glaubt nicht, wie ich mich geschämt habe... Dazu kam noch, dass ich eine riesige Jogginghose trug und ein Sackartiges Oberteil und dadurch aussah, wie ein fetter Kloß.

Da mir dann noch der Bus und die Straßenbahn vor der Nase wegfuhren musste ich durch den Regen laufen und dann 10 Minuten an der Haltestelle warten.
Aber ich habe es geschafft, mich in der Zeit zu beruhigen und darüber freue ich mich ein wenig.

Es geht weiter und wenigstens habe ich überhaupt etwas gemacht.



Sorry für das Ausgeheule, aber das musste gerade einfach sein.

Weihnachten, das Fest der Liebe





'Dein Vater zahlt dir viel zu wenig Unterhalt, er rechnet sich arm.' Schön zu hören, dass ich ihm soviel bedeute
'Wieso nimmt er dich dieses Wochenende nicht zu sich? Ich raste aus! Ich brauche auch Zeit für mich!' Schön zu hören, dass mich weder meine Mutter noch mein Vater bei sich haben wollen

'Deiner Mutter geht es nur ums Geld. Das Geld ist ihr am wichtigsten.' Schön zu hören, dass ihr nicht ihre Tochter am wichtigsten ist
'Meine Frau und ich wollen nicht mehr, dass du uns besuchen kommst. Du bist wie ein dunkler Schatten über unserem Wochenende.' Schön zu hören, wie lieb mein Vater mich hat.

Ja, es tut weh. Nein, ich habe keine Lust mehr, die perfekte Tocher zu spielen.

Und jetzt kommt Weihnachten. Ich habe es schon immer gehasst, ich habe die Feste bei meinen Großeltern gehasst, weil sich dort sowieso nur alle angeschrien haben. Ich habe die Feste bei meinem Vater gehasst, weil es wie auf einem Minenfeld war und jeder falsche Satz alles zum explodieren bringen konnte. Und jetzt bin ich endlich alt genug, nicht mehr mitgehen zu müssen. Aber das ist auch nicht besser.
Ich will nicht, dass Weihnachten kommt. Ich will nicht hören, wie schön die Familienfeste von allen waren, wie viel Spaß sie zusammen hatten.
Klar, ich darf bei der Familie des Freundes meiner Schwester mitfeiern. Mit meiner Schwester, sie ist das Stück Familie, das mir bleibt. Und um 12 muss ich sowieso zur Arbeit.

Aber trotzdem tut es verdammt weh.
 Ich will auch eine intakte Familie. Wenigstens ein Elternteil, auf das ich bauen kann. Eine Mutter oder einen Vater, der mich liebt, wie ich bin. Mich nicht dauernd enttäuscht.

Wieso geht das nicht?



Dienstag, 27. November 2012

Tagesplan und Foto

Ich hatte euch ja schon angekündigt, mal etwas über meinen Tagesplan zu erzählen. Hier ist der Post ;)

Antriebslosigkeit
Bevor ich in die Klinik kam und auch hin und wieder als ich dort war, hatte ich Tage, an denen einfach gar nichts ging. Ich kam nur schwer aus dem Bett (wenn überhaupt), hatte keine Kraft zu gar nichts, meistens putzte ich nur kurz meine Zähne und zog mir irgendwas an, was grade in Reichweite war.
Als ich noch zu Hause war, ging ich an solchen Tagen nicht zur Schule und stand gar nicht erst auf, weshalb ich auch eine Menge Fehltage habe. Ich lag den ganzen Tag im Bett und surfte im Internet oder versuchte zu schlafen. Ich fühlte mich wie ein unnützer, leerer Akku, für den das Ladegerät verloren gegangen ist.

Seit ich einen strukturierten Tag habe, fühle ich mich, als wäre das Risiko gesunken, dass ich solche Tage erlebe. Kann natürlich Einbildung sein, aber ich möchte es lieber nicht nachprüfen.

Schlafprobleme
Damals trank ich täglich etwa 1,5l Cola Light. Zusätzlich nahm ich Coffeintabletten, da ich immer müde war. Ich schlief andauernd in der Schule, aber nachts ging gar nichts - meistens konnte ich nicht mehr als 3 Stunden schlafen. Das ganze Coffein wurde mir in der Klinik verboten und jetzt brauche ich es nicht mehr.

Jetzt mache ich um 23 Uhr alle technischen Geräte aus, damit ich auch irgendwann schlafen kann. Um 9 Uhr klingelt mein Wecker und ich stehe auf. Jeden Tag.

Unregelmäßige Mahlzeiten
Durch meine Bulimie versuchte ich natürlich, so oft und lang wie möglich zu hungern. Ich aß nichts, so lange es ging und dann stopfte ich alles in mich hinein, was ich finden konnte. Es gab absolut keinen Rythmus mehr.

Die Zeiten, an denen ich esse, habe ich festgelegt. Es ist sehr wichtig, dass ich sie auch einhalte. Wenn nicht, bekomme ich meistens Heißhungerattacken.



Und deshalb auch der Tagesplan. Ich möchte ihn euch zeigen:



Ich hoffe, man erkennt etwas. Kreativ bin ich nicht besonders, deshalb sieht er auch nicht so toll aus, wie ich das gerne hätte. Aber für meine Verhältnisse habe ich ihn ganz gut hinbekommen :D



Und mal ein aktuelles Bild von mir. Ich steh irgendwie komisch da, sorry.
Ich finde mich nach wie vor ekelhaft, nur mal so am Rande :D





Soviel dazu. Ich hoffe euch geht es gut und danke an alle treuen Follower :)


Samstag, 24. November 2012

Update

Eine kurze Meldung von mir:
Momentan habe ich nicht besonders viel zu erzählen, meine Tage sind ziemlich vollgestopft und ich genieße es, wieder Dinge tun zu können.


Heute wollte ich mich mit A. treffen, aber er hat 3 Stunden vorher abgesagt. Das Treffen haben wir auf Montagabend verschoben. Ich habe mich heute extra herausgeputzt, mir neue Schminke und ein Outfit gekauft, außerdem noch die Haare frisch gefärbt. Ich sollte mir nicht immer so viel Mühe für nichts geben.
Egal, Montag eben alles nochmal machen.

Gewogen habe ich mich heute, da ich bei Freunden zum Essen eingeladen war. Ich hatte einen Rock, Strumpfhose, Top, Pulli und Tuch an und hatte schon gefrühstückt. Mein Gewicht war 59,6 kg. Da ich letzten Donnerstag in der Klinik in Unterwäsche noch 59,3 kg hatte schließe ich mal ganz gewagt daraus, dass ich abgenommen habe und bin erleichtert darüber. Obwohl ich noch kein einziges Mal im Fitnessstudio war! Schande über mein Haupt :D

Meinen Gewichtsverlauf auktualisiere ich jetzt wieder ab und zu und eine Seite für mein Esstagebuch habe ich auch erstellt.
Momentan habe ich übrigens absolut keinen Appetit und muss mich die meiste Zeit dazu zwingen, überhaupt etwas zu essen. Aber ich halte mich an meine drei Mahlzeiten denn ich weiß, wenn ich eine ausfallen lasse, kommt später der Mörderhunger und ich fange an zu fressen. Bisher konnte ich das einigermassen vermeiden.

Ich hoffe mal, ich habe euch bald wieder etwas interessantes zu erzählen.
Am Dienstag bekomme ich eine Kamera geliehen und möchte dann ein paar meine Bilder aus der Klinik für euch abfotografieren und vielleicht fällt mir ja noch etwas ein, was ich euch zeigen kann.

Bitte entschuldigt meine Inaktivität, aber ich koste mein neues Leben momentan einfach sehr aus und bin gerade nicht so extrem viel auf Blogspot. Wie ich mich kenne wird sich das aber bald wieder ändern ;)

Bleibt stark!





Mittwoch, 21. November 2012

Heimkehr und Antriebslosigkeit + Bilder

Da bin ich wieder.
Entschuldigt bitte, dass ich mich nicht gemeldet oder auf Kommentare genatwortet habe, aber es war einfach viel zu tun.

Ich bin jetzt seit einigen Stunden entlassen und zu Hause.
Und wisst ihr was?
Es ist ein echt tolles Gefühl :)

Ich hatte Angst, dass ich hier her kommen würde und dann erstmal einen Zusammenbruch habe. Aber dem war gar nicht so - ich habe mich einfach gefreut und zuhause gefühlt.

Vor der Klinik hatte ich totale Antriebslosigkeit: Ich konnte einfach gar nichts mehr tun. Meine Wohnung sah wirklich schlimm aus, ich habe niemanden mehr zu mir gelassen, weil es mir so unangenehm war. Und ich habe mich extrem unwohl gefühlt, wenn ich zuhause war. Ich weiß, es ist ekelhaft, aber ich konnte nichtmal putzen oder aufräumen.

Während den Wochenenden, die ich in den letzten Wochen zuhause verbracht habe, habe ich aufgeräumt und geputzt, außerdem etwas hübscher dekoriert. Eine neue Lampe gekauft, da meine alte Deckenlampe seit Ewigkeiten kaputt ist.
Jetzt sieht es so viel besser aus hier, wenn auch nicht wirklich gemütlich. Es stehen noch eine Menge Umzugskartons herum, da ich mich ab jetzt auch wieder auf Wohnungssuche machen möchte. Wozu also verräumen, wenn ich hoffentlich bald sowieso wieder alles einpacken muss? ;)


Jedenfalls bin ich sehr froh, dass die Antriebslosigkeit endlich weg ist. Das Gefühl ist schrecklich, man hat keine Kraft für nichts, obwohl man sich doch so unwohl fühlt... Ich hoffe, es kommt nicht so schnell zurück.

In meinem nächsten Post erzähle ich euch mal ein bisschen von meiner Tagesplanung, sie ist hilfreich, das könnt ihr mir glauben ;)



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Zum Schluss und völlig unpassend möchte ich noch ein paar Bilder von Halloween mit euch teilen. Ich habe versucht, es mir mit zwei Mitpatienten in der Klinik gemütlich zu machen und das ist dabei herausgekommen







Ich hoffe euch geht es einigermassen gut und mache mich jetzt mal an die Kommentare hier :)

Montag, 19. November 2012

Chili

Ich sitze auf meinem Klinikbett, den Laptop auf dem Schoß. Höre Sia auf Dauerschleife, fresse mich durch die Geschichten auf euren Blogs und die verlorenen Bilder auf Weheartit.
Mein Kopf voller Gedanken, mein Bauch voller Steine. Enttäuschung im Herzen.
Es hilft nichts. Ich finde keine Ruhe.
Auf dem Boden neben dem Bett liegt eine Plastiktüte von Müller, mein 'Notfallkoffer'. Ich greife nach den Chilischoten. Muss noch einmal in den Speiseraum, um die Packung aufzuschneiden, meine Schere wurde mir schon lange entwendet.
Zurück auf meinem Bett beiße ich ein winziges Stück der kleinen, roten Schote ab und muss erstmal Husten. Angst steigt in mir auf, ich kann dieses ekelhafte Gefühl nicht stoppen, mein Mund brennt- und dann tut es gut. Ich mag das Gefühl und koste es aus. Als es aufhört, will ich es wieder und beiße noch einmal ab, dann ein drittes Mal. Der Husten wird unerträglich, ich spüre, wie mein Mageninhalt nach draußen drängt.
Zum Glück geht das schnell wieder vorbei und der süße Schmerz ist das Einzige, was zurückbleibt.
Trotzdem hole ich mir noch eine Milch mit viel Kaba. Essen ist immer da. Essen lässt mich nie allein. Essen füllt die Leere. Essen beschäftigt mich. Essen ist mein bester Freund.

Und morgen ist der letzte Tag hier. Dann muss ich wieder nach Hause.
Ich weiß nicht, was ich davon halten soll.

Elternliebe

Mein Vater rechnet sich arm, er müsse sein Auto abbezahlen und habe eine Zusatzversicherung zu begleichen.
Er will mir weniger Unterhalt bezahlen, als er müsste.
Außerdem soll ich angeben, wie viel ich verdiene, was dann natürlich auch vom Unterhalt abgezogen würde.

Meine Mutter zahlt mir sowieso fast nichts, da ihre Wohnung so teuer ist.

Ist ja nicht so, dass ich monatlich 400€ Miete zu bezahlen habe und außerdem noch 280€ Tagesgeld für die Klinik, die Rechnung wird schnell da sein.
Was ich natürlich auch super kann, mit 340€ von ihm und 200€ von meiner Mutter.
Was bleibt übrig, wenn man die 400 abzieht?
140€. Davon soll ich irgendwie die Rechnung bezahlen, Essen und Leben. Super.

Danke, Eltern. Die Verhältnisse wäre geklärt.

Geld geht eben über die Tochter.




...Nicht.

Sonntag, 18. November 2012

Alkohol konserviert alles, ausgenommen Würde und Geheimnisse.

Ich möchte euch jetzt doch noch von meinem Wochenende berichten.
Gestern Abend war ich auf einem Geburtstag in einer Bar und hab ordentlich reingehauen. 2 Wodka-Lemon, 2 Wodka-Bull, 4 Joster, 1 Weinschorle und noch das Probieren der Cocktails von Freunden - es war keine gute Idee. Ich habe einfach zu lange nicht mehr richtig getrunken.

Heute morgen bin ich aufgewacht und dachte ich sterbe gleich :D
Ich habe erstmal Panik bekommen weil ich dachte, ich würde es nicht zum Zug zurück in die Klinik schaffen. Nach drei Stunden rumliegen habe ich mir dann endlich eine Buchstabensuppe gekocht und danach ging es mir wieder besser.

Hiermit habe ich euch meinen ultimativen Kater-Tip verraten: Brühe mit Buchstabennudeln. Danach geht es mir IMMER besser.

Jedenfalls habe ich somit heute gegessen:
Mittags: 2 Teller Buchstabensuppe, 1 Knusperjoghurt, 1 Keks
Abends: 2 Scheiben Brot, 2 Scheiben Käse, Marmelade, etwas Frischkäse mit Tomate, 1 Birne

Und gestern:
Frühstück: 2 Brötchen mit Marmelade und Honig, 1 Kiwi
Mittagessen: 3 kleine Kartoffeln, 1 Kräuterquark light, 1 Backfischfilet, 1 'Light-Pudding', 2 Stückchen Schokolade
Abendessen: Ein paar Löffel Möhrensuppe, 1 Sandwich mit Käse, Schinken, Tomaten und Pommessauce (meine Schwäche :/ )
Nachts: Ein Stückchen Schokomuffin, 3 Celebrations, ein paar Pommes


Ich habe mich jetzt dazu entschieden, mein Essen wieder hier zu dokumentieren. Ihr könnt es beim Lesen überspringen wenn ihr möchtet, aber vielleicht hilft es mir, mich in Zaum zu halten. Mir ist es sowieso unangenehm, weil es so viel ist. Aber wahrscheinlich sollte ich lernen, das nicht mehr zu denken.



Einfach mal freuen


Ich besitze keine Waage mehr! :)
Außerdem hat A. mir zwei Tage genannt an denen wir uns treffen können



I'm like...






Freitag, 16. November 2012

Zunehmen durch die Therapie?

Zu Anfang: Ich bin durch einen Post von Mael darauf gekommen, das hier aufzuschreiben.

Als das mit dem Abnehmen noch gut geklappt hat ging es mir zwar auch nicht gut, aber ich wäre niemals in Behandlung deswegen gegangen, weil ich ja schön weiter abnahm und das war die Hauptsache. Außerdem hatte ich von mehreren Betroffenen gehört, dass man bei und nach eine Behandlung erstmal sehr viel zunimmt. Zusätzlich hatte ich selbst schon eine Menge Reportagen gesehen, wo essgestörte Mädchen nach langer Behandlung ziemlich mollig / dick geworden sind.
Das ist ja auch total logisch, der Körper will sich eben alles zurückholen.

Es gab also keinen Grund für mich, überhaupt nur an eine Klinik zu denken. Dick zu sein ist schlimmer als unglücklich zu sein. Dachte ich damals.


Dann fingen die Essanfälle an. Plötzlich wollte ich so schnell wie möglich in eine Klinik, da ich über gar nichts mehr die Kontrolle hatte. Ich nahm zu und war todunglücklich. Es sollte möglichst schnell gehen, ich wollte ja nicht noch dicker werden.

Mit 59 Kilo kam ich in die Klinik. BMI 20,2

Ich aß jeden Tag drei Mahlzeiten, Frühstück, Mittag- und Abendessen. Anfangs hatte ich noch viele Ausrutscher und aß mehr als ich sollte, aber es pendelte sich ein. Inzwischen habe ich deutlich seltener Gelüste und Essattacken.
Jede Woche beim Wiegen hatte ich panische Angst, zugenommen zu haben. Ich aß ja immer so viel!
Aber mal ehrlich: Mein Tiefstgewicht in diesen 12 Wochen waren 58,5 kg und das höchste waren 59,9 kg.

Gestern war mein Abschlusswiegen: 59,3 kg. Ich habe also in diesen 12 Wochen 300g zugenommen. Von wegen 10 Kilo. BMI 20,3.

Ich weiß nicht, wie es zu Hause weitergehen wird, klar. Aber dann werde ja zusätzlich ich auch wieder Sport machen und deshalb denke ich nicht, dass ich groß zunehmen werde.
Auch wenn ich natürlich immernoch ziemlich Angst davor habe.


Ich möchte euch einfach sagen, dass man bei einer Behandlung nicht immer unkontrolliert und viel zunimmt. Klar, es passiert vielen. Aber es MUSS eben nicht sein.

Also lasst euch nicht verrückt machen, okay? Wenn ihr Hilfe braucht, dann holt sie euch. Es kann nur besser werden.

Mittwoch, 14. November 2012

Körperwahrnehmung

Bevor ich das wieder wegdränge, möchte ich aufschreiben, was gerade in der Körper-Bewegungs-Therapie geschehen ist.

Wir sollten uns auf den Boden legen und dann nacheinander jedes Körperteil wahrnehmen. Danach mussten wir mithilfe verschiedener Materialien unseren Körper darstellen.
Ich habe mir ein Kissen für den Kopf geholt, zwei Kissen für meine Brust, einen Medizinball für meine Wampe und zwei dicke Decken für meine Oberschenkel.

Als wir es durchsprachen, kam erstmal ein anderes Mädchen dran. Sie sollte sich dann auf den Boden legen und die Therapeutin legte mit einem Seil ihren Körperumriss nach. Dann sollte sie ihn sich anschauen.
Das Mädchen ist dünn, ich bin öfters neidisch auf sie, muss ich zugeben. Der Umriss war demenstprechend auch wirklich schmal und die Therapeutin brauchte nur ein einziges Seil um ihn zu legen.

In mir fing es schon an zu kochen, ich war neidisch und bekam dann Panik, weil ich nicht meinen Umriss neben ihrem sehen wollte. Ich hatte solte Angst davor zu sehen, wie fett ich wirklich bin. Ich wollte auch nicht, dass ich ein Seil mehr einnehmen würde als sie.

Als ich dann an der Reihe war und mein Umriss vor mir lag, war er auch ziemlich dünn, aber einfach nicht so schlank wie ihrer. Alle haben mir wiedersprochen, sie wären genau gleich. Ich weiß nicht so recht. Ich habe auch nur ein Seil gebraucht, aber trotzdem. Ich weiß doch, dass ich nicht so dünn bin. Sie ist größer und wiegt zwei Kilo weniger als ich. Logik?

Jedenfalls hatte ich doch angenommen, den Umriss eines Nilpferdes vor mir zu sehen- aber das war es definitiv nicht.

Gerade habe ich mich im Zimmer auf einen Stuhl vor den Waschbeckenspiegel gestellt. Ich kann einfach nicht sagen, ob ich dick oder schlank oder sonstwas bin. Ich weiß es einfach nicht! Das ist so komisch, ich hasse es.
Wie soll ich das denn jemals herausfinden?



Dienstag, 13. November 2012

Perfekte Kindheit?

Es ist jetzt schon ein paar Tage her, dass diese Therapiestunde stattfand, aber mir geht es einfach nicht aus dem Kopf.

'Sie hatten keine schöne Kindheit.'
'Doch, hatte ich. Meine Mutter hat sich wirklich Mühe gegeben!'
'An was erinnern Sie sich denn noch? Welche Erinnerungen haben Sie von Ihrere Mutter?'

Erinnern fällt mir schwer, da mein Kopf so oft blockiert, wenn ich es versuche. Ich gebe mein Bestes.


Ich, mit 4 Jahren im Kindergarten. Meine Eltern stehen hinter mir, wollen gehen. Ich stempele mit Apfelhälften auf einem Blatt herum, es soll ein Apfelbaum werden. Das Blatt ist schon völlig überfüllt mit Äpfeln, aber ich höre nicht auf. Es ist mein letzter Tag in diesem Kindergarten, morgen werden wir wieder wegziehen. Ich will nicht gehen.

In der Grundschule, ich komme nach Hause und habe mal wieder meinen Schlüssel vergessen. Ich muss bei einer Nachbarin klingeln, da meine Mutter bis halb 5 arbeitet. Den Nachmittag verbringe ich bei ihr. Hinterher bekomme ich Ärger, weil ich die Frau nicht dauernd nerven soll.

Ich stehe im Flur der Wohnung, in der meine Mutter mit mir wohnt. Sie ist mit irgendeinem Freund im Wohnzimmer. Ich weiß ganz genau was sie tun. Trotzdem klopfe ich, sage, dass ich nicht schlafen kann. Eigentlich stimmt das gar nicht. Eigentlich will ich nur, dass sie mich wahrnimmt und ins Bett bringt.

Circa 4. Klasse, der letzte Urlaub, den ich mit ihr verbrachte. Wir teilen uns ein Doppelbett, alles andere wäre zu teuer gewesen. Ich muss jede Nacht auf die Couch umziehen, weil ich bei ihrem Schnarchen nicht schlafen kann. Ich habe ihr das beim Buchen gesagt, aber es war nicht wichtig.

In der 5. Klasse. Meine Mutter weigert sich, mir neue Hosen zu kaufen, obwohl mir die alten schon zu kurz sind. Ich besitze nur noch 2, die lang genug sind und ziehe mich jeden Tag auf der Schultoilette um. Auf dem Schulweg jedoch schäme ich mich jeden Morgen.

Ich, wie ich mein Pausenbrot aus dem Fenster werfe und meine Trinkflasche ausschütte, damit ich keinen Ärger bekomme. Ich kann einfach nicht so viel essen.

Meine Mutter, weinend in der Küche, auf dem Balkon, im Wohnzimmer, in ihrem Bett. Ich versuche unzählige Male, sie zu trösten.

Es gibt noch ein paar mehr Erinnerungen, allerdings nicht viele.


'Ihren Erinnerungen nach scheint es keine schöne Zeit gewesen zu sein. Sie waren immer alleine, oder?'
'Ja, aber ich habe meiner Mutter oft gesagt, dass alles gut ist, wie es ist und das es mir gut geht.'
'Das haben Sie getan, um sie zu unterstützen, oder?'
'Ja. Ich weiß nicht, wie es wirklich war.'


Wow, ich habe ernsthaft keine einzige schöne Erinnerung mit meinen Eltern zusammen. Keine. Einzige.

Sonntag, 11. November 2012

Halbwissen

'Und wie heißt die Krankheit, die du hast? Magersucht'
'Bulimie. Ich habe keine Magersucht.'
'Achso. Das ist es doch, wenn man sich nach dem Essen übergibt, oder?'
'Naja, nicht nur. Ich übergebe mich nicht. Man kann auch Hungern oder übermäßig Sport machen oder Diatpillen nehmen oder sowas.'
'Achso, ich dachte, da würde man sich einfach nur übergeben.'
 Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich dieses Gespräch schon führen musste.
Ich hasse dieses Halbwissen.

Meine Mutter sagte damals zu mir:
'Du hast eine Essstörung? Aber du bist doch gar nicht klapperdürr?'
Nein, bin ich nicht. Auch wenn ich schon dünner war.
An das Gespräch mit meinem Therapeuten kann ich mich auch noch gut erinnern:
'Was war denn Ihr niedrigstes Gewicht?'
'Etwa 48,5 Kilo. Da hatte ich einen BMI von 16,5.'
'Aha, damals hatten Sie also Anorexie.'

Meine Güte.
Ich kann das alles nicht mehr hören. So etwas fängt im Kopf an und man wird jawohl nicht automatisch untergewichtig, wenn man anfängt, solche Gedanken zu haben.
Das kommt langsam und niemand kann mir erzählen, dass diese Gedanken erst dann real werden, wenn der Betroffene auch wirklich die Grenze zum Untergewicht überschritten hat.
Man sieht so etwas eben nicht sofort.
Ich wünschte, die Leute würden sich wenigstens mal richtig mit solchen Dingen beschäftigen, wenn es sie scheinbar interessiert.

Wisst ihr, was ich daran am schlimmsten finde?
Es gibt mir das Gefühl, ich müsste mich übergeben, um meiner Krankheit gerecht zu werden.
Es gibt mir das Gefühl, ich müsste abnehmen, damit ich überhaupt das Recht darauf habe, mir Hilfe suchen.
Es gibt mir das Gefühl, nicht mal gut genug für eine Esssstörung zu sein. Weil ich mal wieder den Maßstäben nicht entspreche.

Und es gibt wirklich viele Mädchen, die versuchen, unter diese offizielle Gewichtsgrenze zu kommen. Das wisst ihr genauso gut wie ich. Und das kann doch wirklich nicht wahr sein.


Samstag, 10. November 2012

Ich sitze gerade in meiner Wohnung, meiner dunklen, ungemütlichen, ekelhaften Wohnung.
Als ich vorhin den ersten Schritt hier hereingesetzt habe, war mir nach Weinen zumute.
Ich habe erstmal die Fenster aufgerissen, um etwas zu Lüften. Wenn es regnet, wie heute, ist es besonders praktisch, denn dann ist die Luftfeuchtigkeit nicht so hoch und dieser Keller verträgt ja keine Feuchtigkeit. Ich finde das ziemlich unlogisch, aber ich habs irgendwann mal aufgeschnappt. Keine Ahnung, ob es stimmt.

Dann bin ich zum Kühlschrank marschiert und habe den Joghurt, der letzte Woche übrig geblieben ist, in mich hineingeschaufelt. Danach ein paar Löffel Nutella. Schließlich habe ich mich dazu entschieden, schon zu Mittag zu essen, obwohl erst 11 Uhr war. Essanfall vorbeugen. Haha.
Jetzt habe ich meine Portion Hähnchen-Gemüse-Reispfanne schon verschlungen und muss sagen, gefrorenes Hühnchen schmeckt echt nicht gut.

Ich habe Angst. Nur noch eine Woche ist übrig, am 21. werde ich die Klinik verlassen. Ich kann das nicht. Ich bin noch nicht so weit. Aber ich muss. Habe keine Wahl.

Dienstag, 6. November 2012

Therapie

Ich weiß auch nicht weshalb, aber ich möchte das mit euch teilen, was heute in der Therapie passiert ist.

Es ist schon länger ein Thema bei mir, dass ich große Probleme mit Körperkontakt habe. Das ist nicht bei allen Menschen so, am stärksten aber bei älteren Männern. Fragt mich nicht warum, ich habe keine Ahnung. Wenn mich einer nur leicht berührt zieht sich schon alles in mir zusammen und ich kriege Panik.

Jedenfalls saß ich heute in der Therapie auf dem Boden und ein älterer Mitpatient neben mir.
Unsere Therapeutin hat mich gefragt, ob es okay wäre, wenn er etwas näher rücken würde.
In mir zog sich sofort alles zusammen, ich merkte schon, wie sich meine Brust zuschnürte.
Ich wollte es nicht.
Sie sagte dann, ich solle mich so nah an ihn heransetzen, wie es für mich möglich sei.
Ich rückte näher und fühlte mich schrecklich. Ich wollte einfach nur weglaufen. Versteckte mich hinter meinem Schal und die Tränen kamen ziemlich schnell. Die Luft wollte einfach nicht mehr in meine Lungen strömen und ich gab mir höchste Mühe, nicht zu ersticken. Es drang schon gar nichts mehr zu mir durch, weil ich mich so sehr in mich zurückgezogen hatte.

Dann gab die Therapeutin die Anweisung, dass sich die übrigen Mitpatienten in irgendeiner Form zu dem Mann neben mir oder zu mir Körperkontakt suchen sollten.
Ich bekam richtig Panik und malte mir schon aus, wie sich alle auf mich stürzen würden. Diese Angst war so groß, ich dachte wirklich, ich würde gleich durchdrehen.
Aber dann wurde mir ein Arm über die Schulter gelegt und eine Hand streichelte mein Knie und ich konnte mich langsam, langsam entspannen.
Irgendwann hatte ich sogar wieder die Kraft, aufzublicken und merkte, dass der Mann neben mir und ich jetzt so nah saßen, dass sich unsere Arme berührten.
Ich bekam die Anweisung, ihn anzuschauen und tat das auch. Und ab diesem Moment an hatte ich absolut keine Angst mehr.


Keine Ahnung, was ich jetzt damit anfangen soll.
Aber es hat mich tief berührt

Montag, 5. November 2012

Oh, you're in my veins

Ach ihr Süßen.
Es ist so schwer momentan.

Das Treffen mit A. wurde nichts und nach einem weiteren hat er bisher auch noch nicht gefragt.
Wenn ich an den Wochenenden nach Hause komme, gebe ich mir mit meinem Aussehen immer extra viel Mühe, er könnte mir ja über den Weg laufen. In der Stadt nehme ich die längsten Wege mit Bus und Bahn um vielleicht einen Blick auf ihn erhaschen zu können. Dauernd denke ich, ihn irgendwo zu sehen und mein Herz setzt aus.
 
Aber mal Hand aufs Herz: Wenn eine meiner Freundinnen in dieser Lage stecken würde, dann hätte ich ihr schon längst gesagt, dass es einfach vorbei ist.
Das letzte Mal wirklich lang gesehen haben wir uns im Mai glaube ich. Jetzt haben wir November.
Und wirklich, ich ging die ganze Zeit davon aus, es würde wieder wie zuvor werden, wenn ich erstmal aus der Klinik heraus bin. Ich habe mich so erfolgreich selbst belogen, dass es mir schon fast Angst macht.

Aber inzwischen sehe ich, wie es wirklich um uns steht.

Wir haben eigentlich gar keinen Kontakt mehr, nichtmal über Facebook. Sein Leben ist nicht stehen geblieben, nur weil meines scheinbar nicht weiterläuft. Er ist nicht stehengeblieben um auf mich zu warten, wieso auch.

Ich kann aber so nicht loslassen.
Wenn ich ehrlich bin, bin ich noch immer nicht über meine letzte Beziehung hinweg. Wisst ihr, wie lang diese Trennung jetzt schon her ist? Sie war im August 2011.
Ich habe einfach keine Lust, dass so etwas nochmal passiert.

Aber wie soll ich ihm das denn sagen? Ich schaffe es ja nichtmal ihn anzuschreiben und zu fragen, wie es ihm geht.


Ablehnung ist das Schlimmste.



Sonntag, 4. November 2012

Sinnsuche

Es gibt Menschen, die verrückte Dinge tun.
Man muss nur mal kurz den Fernseher einschalten und schon finden sich ein Mann, der zu Fuß die halbe Welt bereist hat oder Jugendliche, die sich auf halsbrecherische Höhen begeben, um ein gutes Foto zu bekommen.
Aber wieso tun all diese Menschen das? Wieso begeben sich so viele Menschen in Gefahr oder krempeln ihr ganzes Leben um, obwohl das eigentlich völlig unsinnig erscheint?

Ich glaube, sie haben ihren Sinn gesucht.

Mein Leben ist nichts besonderes, es ist nicht spektakulär oder auch nur spannend. Es plätschert eben so dahin. Aber mir fehlt das Salz in der Suppe. Ich möchte eine Aufgabe haben, nützlich sein, etwas erschaffen oder wenigstens etwas interessantes lernen.
Wir sitzen viel zu oft herum und ärgern uns darüber, dass unser Leben nicht perfekt genug ist. Zu langweilig. Dabei übersehen wir aber oft, dass das alles eigentlich in unserer Hand liegt. Klar, manchmal kommt diese Person, die dich aus deinem Sumpf herauszieht und dich ins Abenteuer hineinstürzt.
Aber eben nicht immer.

Wir müssen es selbst in die Hand nehmen. Wenn wir etwas an unserem Leben ändern wollen, dann können wir nicht immer darauf warten, dass es von selbst geschieht oder uns wehmütig an vergangene Zeiten klammern.
Einen Sinn, eine Aufgabe muss jeder für sich selbst finden.

Die Frage ist nur - Wie?

Samstag, 3. November 2012

Träume und Leserfragen

Wie ich letzte Nacht erlebt habe:
A. zieht mich an sich, wir küssen uns. Es ist genau wie früher. Lang, leidenschaftlich. Ich schmelze. Spüre dieses unglaubliche Kribbeln und will gar nicht mehr aufhören.
Nur leider wacht jeder früher oder später wieder auf.

Wie meine Zimmernachbarin die letzte Nacht erlebt hat:
Ich wälze mich im Bett herum und jammere: 'Du Schwein, du bist mein Vater, kümmere dich endlich um mich. Und zahl mir endlich mein Geld. Ich bin deine Tochter!'

Wie das zusammenpassen soll ist mir noch nicht so ganz klar geworden...



Noch etwas ganz anderes, was ich aber mit euch teilen muss.
In der neuen Closer ist eine Leserfrage eingegangen von einem Mädchen, die wissen möchte, ob sie Essgestört ist. Ich weiß nicht mehr den genauen Wortlaut, aber sie hat dauernd Angst, zu fettig zu essen. Ihr Gewicht und ihre Größe hat sie auch angegeben.

Und der 'Psychologe' antwortet ihr: Dein BMI liegt im Normalbereich. Du bist nicht essgestört.

Ja klar. Mich hat das so wütend gemacht! Was ist denn, wenn sie wirklich eine Essstörung hat und jetzt denkt, dass alles super ist wie es ist und immer tiefer reinrutscht? Ich finde das wirklich unverantwortlich. Was meint ihr dazu?

Freitag, 2. November 2012

Innerer Kindergarten

Einzeltherapie.

'Gestern wollten meine Freundin und ich mal wieder einen Gammeltag verbringen. Ganz genau wie früher. X-Box zocken, fernsehen, schlafen, rumliegen. Ich habe mich echt darauf gefreut, früher habe ich diese Tage geliebt. Aber gestern war es anders.
Ich hatte so einen Tatendrang in mir, wollte einfach nicht die ganze Zeit rumliegen, wollte irgendetwas sinnvolles tun. Das geht mir momentan immer so. Ich habe das Gefühl, mein Leben ist nicht gut genug, könnte perfekter oder spannender sein.
Aber viel öfter habe ich diese riesige Antriebsschwäche und Kraftlosigkeit und sitze nur in meiner Wohnung herum, weil ich nicht da raus komme. Dann wundere ich mich immer, dass ich nicht schon zusammengeklappt bin, weil ich mich so erschöpft fühle.'

'Sie haben mehrere Teile in sich, die alle etwas anderes wollen. Das ist völlig normal, wir nennen das innere Familie. In manchen Therapieformen sprechen die Patienten mit diesen Teilen und geben ihnen Raum, um sie besser verstehen zu können.
Diese innere Familie hat jeder, nur bei Ihnen ist es eher eine Art Kinderhort und es fällt Ihnen schwer, diese vielen Kinder zu verstehen und zu bändigen. Stellen Sie sich vor, Sie führen als Mutter ein Auto mit sieben Kindern auf der Rückbank. Da würden Sie doch auch nicht alle Kinder abwechselnd ans Steuer lassen und den einen nach links, den nächsten nach rechts fahren lassen. Sie würden das Lenkrad selbst in die Hand nehmen.'

Es ist schwer, diesen Teil zu verstehen, der schwer auf meine Brust drückt und mich zu Hause gefangen hält. Es ist auch schwer, den Teil zu bändigen, der mich ständig antreiben will und nie gut genug ist.
Aber vielleicht kann ich irgendwann mein Lenkrad finden.
Was heißt vielleicht, ich weiß, dass es in mir ist.




Und ich bin auf der Suche nach mit selbst.

Donnerstag, 1. November 2012

Halloween

Es ist der 1. Oktober 2012, 6 Uhr 40.
Ich stehe auf, damit ich noch rechtzeitig vor meiner Zimmernachbarin ins Bad komme. Heute ist erst um 8 Uhr wiegen, deshalb kann ich meine Haare noch davor waschen, denn dann sind sie schon trocken. Ich schätze, nasse Haare würden einfach mehr wiegen.
Ich komme aus der Dusche und creme mich ein, denke mir dabei die ganze Zeit, dass das alles in meine Haut einzieht und ich später sicher mehr wiegen werde.
Stehe vor dem Spiegel in meinem Zimmer und will meine Kontaktlinsen einsetzen und mich schminken, aber das könnte ja alles mein Gewicht verfälschen.
Trinken ist auch nicht erlaubt.

Meine Güte bin ich naiv.

Heute Nacht war Halloween, so ziemlich die wichtigste Nacht des Jahres für mich.
Ich erinnere mich immer an letztes Jahr... Es war so perfekt, meine Freund, ich und A.
Total betrunken aber glücklich. Der erste Kuss, die erste Nacht. Und am  nächsten Morgen 48,8 Kilo auf der Waage.

Naja, gestern durften wir die Klinik nur bis 23 Uhr verlassen. Da kann man einfach nicht feiern gehen. Mir tat das wirklich im Herzen weh, auch wenn das vielleicht übertrieben klingt.
Am Ende haben dann zwei Mitpatienten mit mir abgehackte Würstchenfinger und Wackelpudding mit Würmern vorbereitet und wir haben Halloween geschaut. Besser als gar nichts...

Nur leider ist, wie gesagt, gleich wiegen.
Und ich habe gestern viel zu viel gegessen.
Was mache ich wenn ich die 60 sehe?
Ich weiß es nicht.

Ich habe Angst.


EDIT NACH DEM WIEGEN
59,4.
59,4!
Ein halbes Kilo weniger!
Jetzt muss ich erstmal jemanden umarmen :)