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Dienstag, 13. November 2012

Perfekte Kindheit?

Es ist jetzt schon ein paar Tage her, dass diese Therapiestunde stattfand, aber mir geht es einfach nicht aus dem Kopf.

'Sie hatten keine schöne Kindheit.'
'Doch, hatte ich. Meine Mutter hat sich wirklich Mühe gegeben!'
'An was erinnern Sie sich denn noch? Welche Erinnerungen haben Sie von Ihrere Mutter?'

Erinnern fällt mir schwer, da mein Kopf so oft blockiert, wenn ich es versuche. Ich gebe mein Bestes.


Ich, mit 4 Jahren im Kindergarten. Meine Eltern stehen hinter mir, wollen gehen. Ich stempele mit Apfelhälften auf einem Blatt herum, es soll ein Apfelbaum werden. Das Blatt ist schon völlig überfüllt mit Äpfeln, aber ich höre nicht auf. Es ist mein letzter Tag in diesem Kindergarten, morgen werden wir wieder wegziehen. Ich will nicht gehen.

In der Grundschule, ich komme nach Hause und habe mal wieder meinen Schlüssel vergessen. Ich muss bei einer Nachbarin klingeln, da meine Mutter bis halb 5 arbeitet. Den Nachmittag verbringe ich bei ihr. Hinterher bekomme ich Ärger, weil ich die Frau nicht dauernd nerven soll.

Ich stehe im Flur der Wohnung, in der meine Mutter mit mir wohnt. Sie ist mit irgendeinem Freund im Wohnzimmer. Ich weiß ganz genau was sie tun. Trotzdem klopfe ich, sage, dass ich nicht schlafen kann. Eigentlich stimmt das gar nicht. Eigentlich will ich nur, dass sie mich wahrnimmt und ins Bett bringt.

Circa 4. Klasse, der letzte Urlaub, den ich mit ihr verbrachte. Wir teilen uns ein Doppelbett, alles andere wäre zu teuer gewesen. Ich muss jede Nacht auf die Couch umziehen, weil ich bei ihrem Schnarchen nicht schlafen kann. Ich habe ihr das beim Buchen gesagt, aber es war nicht wichtig.

In der 5. Klasse. Meine Mutter weigert sich, mir neue Hosen zu kaufen, obwohl mir die alten schon zu kurz sind. Ich besitze nur noch 2, die lang genug sind und ziehe mich jeden Tag auf der Schultoilette um. Auf dem Schulweg jedoch schäme ich mich jeden Morgen.

Ich, wie ich mein Pausenbrot aus dem Fenster werfe und meine Trinkflasche ausschütte, damit ich keinen Ärger bekomme. Ich kann einfach nicht so viel essen.

Meine Mutter, weinend in der Küche, auf dem Balkon, im Wohnzimmer, in ihrem Bett. Ich versuche unzählige Male, sie zu trösten.

Es gibt noch ein paar mehr Erinnerungen, allerdings nicht viele.


'Ihren Erinnerungen nach scheint es keine schöne Zeit gewesen zu sein. Sie waren immer alleine, oder?'
'Ja, aber ich habe meiner Mutter oft gesagt, dass alles gut ist, wie es ist und das es mir gut geht.'
'Das haben Sie getan, um sie zu unterstützen, oder?'
'Ja. Ich weiß nicht, wie es wirklich war.'


Wow, ich habe ernsthaft keine einzige schöne Erinnerung mit meinen Eltern zusammen. Keine. Einzige.

Kommentare:

  1. ..das ist soo.. ..traurig.. fühl dich geknuffelt♥

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  2. Hört sich echt nicht toll an.
    Aber daran merkt man, dass du stark bist, weil du das schon erlebt hast und trotzdem noch weiterlebst und versuchst das beste aus allem zu machen.

    Bei mir gehts nicht um die Therapeutin sondern einfach um die Tatsache, dass ich keine Zeit habe, weil ich jeden Tag nach der schule bis 5 oder 6 eine Beschäftigung habe und dann immer erst um 7 oder 9 heim komme..
    XOXO mael

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  3. du sprichst mir soooo dermaßen aus der seele! nicht aufhören zu kämpfen <3

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